💾 Backup · Strategie

WordPress-Backup-Strategie:
3-2-1-Regel und Recovery-Test.

Backup ist nicht gleich Backup. Was es leisten muss, welche Frequenz sinnvoll ist, wo die Dateien hin sollten und warum getestete Wiederherstellung wichtiger ist als die schönste Backup-Software. Praxis-Anleitung mit den Tools, die wir tatsächlich einsetzen.

Die 3-2-1-Regel

Internationaler Industrie-Standard für Backup-Strategien:

  • 3 Kopien der Daten – Original plus zwei Backups.
  • 2 unterschiedliche Medientypen – z. B. Server-Festplatte plus Cloud-Storage, oder Cloud plus externe Festplatte.
  • 1 Kopie offsite – an einem anderen geografischen Ort, idealerweise auf einem anderen Anbieter.

Diese Regel ist konservativ, aber sie deckt die häufigsten Versagensszenarien ab: Hardware-Crash, Hosting-Ausfall, Naturkatastrophe, Hosting-Account gesperrt, Cloud-Anbieter pleite oder gehackt.

Die häufigsten Backup-Fehler

Backup auf demselben Server

Wer Backups in einem Unterverzeichnis seiner WordPress-Installation ablegt, hat kein Backup. Wenn der Server crasht, ist das Backup gleichzeitig weg. Bei einem Hack greifen Angreifer oft direkt auch die Backup-Dateien an, um Recovery zu verhindern.

Niemals getestet

Ein Backup, das nie wiederhergestellt wurde, ist eine Datei mit Hoffnung darin. Wir hatten Audits, in denen das Backup-Plugin seit 14 Monaten freudig grüne Meldungen produziert hat – aber die letzte erfolgreiche Wiederherstellung war nie passiert. Bei Bedarf wäre die Datei nicht entpackbar gewesen.

Nur Datenbank, nicht wp-content

WordPress besteht aus zwei Teilen: Datenbank (Posts, Settings, User) und wp-content (Theme, Plugins, Bilder, Uploads). Wer nur die DB sichert, hat Inhalte gerettet, aber Theme, Plugin-Konfigurationen und alle Medien verloren. Vollständiges Backup heißt: DB plus wp-content komplett.

Unverschlüsselt

Backup-Dateien enthalten alle Daten der Site – inklusive Login-Daten, Kunden-Mails, gegebenenfalls Bestelldaten und Passwort-Hashes. Wer sie unverschlüsselt auf einem öffentlich zugänglichen FTP oder einer Cloud-Storage ohne Verschlüsselung ablegt, hat ein Datenschutz-Problem.

Aufbewahrung zu kurz

Manche Hacks bleiben wochenlang unentdeckt. Wenn das Backup von gestern bereits infiziert ist, brauchst du das von vor 14 Tagen. Aufbewahrungs-Tiefe von 30 Tagen ist Mindeststandard, bei kritischen Sites lieber 60–90 Tage.

Welche Backup-Tools wir einsetzen

UpdraftPlus

Standard-Backup-Plugin für WordPress, kostenlose Version reicht für viele Standard-Sites. Speichert nach S3, Google Drive, Dropbox, FTP. Premium-Version bietet inkrementelle Backups (nur Änderungen), Multisite-Support und Migrations-Funktion. Solide, robust, breit eingesetzt.

BlogVault

Spezialisierter Premium-Backup-Service mit Fokus auf inkrementelle Backups, getestete Restore-Funktion und integriertem Staging. Etwas teurer, aber Recovery ist schneller und zuverlässiger als bei UpdraftPlus. Für kritische Sites unsere Standard-Wahl.

Server-Snapshot beim Hoster

Viele moderne WordPress-Hoster (Hetzner Cloud, Plesk-Hosting, AWS Lightsail) bieten Snapshot-Funktionen auf Dateisystem-Ebene. Diese sind schnell, zuverlässig und außerhalb der WordPress-Installation gespeichert. Wir empfehlen sie als zusätzliche Sicherung neben dem WordPress-internen Backup.

Frequenz und Aufbewahrung – nach Site-Typ

News-Sites, Shops, Communities

Sites mit täglichen oder mehrfach-täglichen Inhalts-Änderungen brauchen tägliche Backups, manchmal auch stündliche. Aufbewahrung mindestens 30 Tage, bei Shops mit Bestelldaten lieber 90 Tage. Inkrementelle Backups (nur Änderungen) machen das speicherplatz-effizient.

Standard-Unternehmens-Sites

Bei Sites mit moderater Update-Frequenz (1–3 Inhalts-Änderungen pro Woche): tägliche Backups als Hauptlinie, 30 Tage Aufbewahrung. Plus wöchentliche Long-Term-Backups, die 6 Monate aufbewahrt werden – für schwer entdeckte Probleme.

Statische Sites mit selten Änderungen

Bei Sites, die nur ein paar Mal pro Monat angefasst werden: nicht weniger als tägliche Backups – statische Sites haben oft Kommentare, Spam-Filter, Plugin-Updates oder kleine Inhalts-Korrekturen. Ein wöchentliches Backup ist im Schadensfall zu wenig.

Externes Storage – wohin mit den Backup-Dateien?

Wasabi und Backblaze B2

Spezialisierte Cloud-Storage-Anbieter mit S3-kompatiblem API. Deutlich günstiger als Amazon S3 (etwa 6 USD pro TB pro Monat statt 23 bei AWS). Für Backup-Zwecke ideal – die langsamere Restore-Geschwindigkeit bei Backblaze ist im Notfall meist zweitrangig.

Hetzner Storage Box

Bei Sites mit Hetzner-Hosting: Storage Box als Backup-Ziel mit BackupBuddy oder UpdraftPlus per FTP/S3. Praktisch, da im selben Provider-Ökosystem, aber explizit nicht auf demselben Server.

S3-Bucket beim eigenen Cloud-Provider

Bei Mandanten mit AWS, Azure oder Google Cloud: Backup direkt in einen S3-Bucket mit Lifecycle-Policy (alte Backups automatisch löschen). Viele Backup-Plugins unterstützen das nativ. Verschlüsselung im Transit und at-rest standardmäßig.

Recovery-Tests – Pflicht, nicht Kür

Backup-Tests gehören in jeden Wartungs-Workflow. Bei uns quartalsweise:

  • Staging-Wiederherstellung.Aktuelles Backup auf eine Staging-Subdomain einspielen. Site komplett laden lassen, Frontend prüfen, Login testen.
  • Datenbank-Integrität.SQL-Datei manuell prüfen, ob alle Tabellen vorhanden sind und keine Fehler enthalten.
  • Datei-Vollständigkeit.Theme- und Plugin-Verzeichnisse durchzählen, ob alle erwarteten Dateien da sind.
  • Recovery-Zeit.Wie lange dauert die komplette Wiederherstellung? Wenn länger als die SLA-Zusage, Optimierung der Backup-Konfiguration nötig.

Was Backup-Pflege in der Wartung kostet

In allen Wartungspaketen ist die laufende Backup-Pflege enthalten:

  • Tägliche externe Backups (UpdraftPlus oder BlogVault)
  • 30 Tage Aufbewahrung Standard, längere Zeiträume optional
  • Quartalsweise Recovery-Tests auf Staging
  • Im Notfall: Recovery innerhalb weniger Stunden

Backup-Pflege als Einzelauftrag (Setup ohne laufende Wartung): einmalig 4–6 Stunden, also 800–1.200 € netto, plus laufende Storage-Kosten beim Anbieter (ca. 5–15 €/Monat je nach Datenmenge).

FAQ

Häufige Fragen

Wie oft sollten WordPress-Backups laufen?
Mindestens täglich, bei aktiven Sites mit mehrfach-täglichen Inhalts-Änderungen auch öfter. Wer wöchentlich sichert, riskiert bei einem Vorfall den Verlust einer ganzen Woche Arbeit. Tägliche Backups sind heute durch inkrementelle Lösungen problemlos machbar – Speicher-Aufwand ist minimal.
Welches WordPress-Backup-Plugin empfehlt ihr?
Standard für die meisten Sites: UpdraftPlus (kostenlose Version reicht oft, Premium für inkrementelle Backups). Für kritische Sites: BlogVault als spezialisierte Premium-Lösung mit besserer Restore-Funktion. Zusätzlich beim Hoster: Server-Snapshots als zweite Sicherungsschicht.
Wie lange sollte ich Backups aufbewahren?
30 Tage Mindeststandard, bei Shops und Sites mit DSGVO-relevanten Daten 60–90 Tage. Manche Hacks bleiben wochenlang unentdeckt – wenn das aktuelle Backup bereits infiziert ist, brauchst du eine ältere saubere Version. Wöchentliche Long-Term-Backups, die 6 Monate aufbewahrt werden, sind eine sinnvolle Ergänzung.
Reichen die Backups meines Hosters aus?
Bei vielen Hostern: nein. Hoster-Backups sind oft nicht granular wiederherstellbar (entweder ganzer Server oder gar nichts), nicht für Off-Site-Recovery geeignet (wenn der Hoster ausfällt, sind die Backups auch weg) und manchmal nicht regelmäßig getestet. Hoster-Backup ist gut als zweite Schicht – das Hauptbackup sollte unabhängig sein.
Was kostet professionelles Backup-Setup?
Einmaliges Setup ohne laufende Wartung: 4–6 Stunden Konfiguration, also 800–1.200 € netto. Plus laufende Storage-Kosten 5–15 €/Monat (Wasabi, Backblaze B2). Bei aktiver Wartung ist das Backup-Management standardmäßig in den Paketen enthalten – ohne zusätzliche Kosten.
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